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Besuch 2009 / 2
Stephanie Henning war 5 Wochen von September bis Oktober in Nepal und hier folgt ihr Bericht:
5 Wochen Nepal
Ende Juni stand mein Entschluss fest einmal die Welt außerhalb Europas zu erkunden. Die anstehenden Semesterferien waren dafür wie gemacht! Von dem Projekt in Nepal hatte ich schon einige Zeit vorher von meiner lieben Mitbewohnerin erfahren, da ihre Eltern selbst Mitglied im Verein sind. Die ganze Sache hörte sich für mich ziemlich aufregend und doch noch sehr weit weg an. Nepal, was ist das überhaupt für ein Land? Wie sehen die Menschen dort aus und wie lebt man dort wohl? Das waren alles Fragen, mit denen ich mich noch nie wirklich befasst hatte und die ich somit auch nicht beantworten konnte. Dies reizte mich umso mehr, den Schritt in die unbekannte Ferne zu wagen. Das Projekt und die Kinder waren dann der endgültige Auslöser für meinen Entschluss. Es war sehr beruhigend zu wissen, dass ich in Nepal ein Ziel und auch eine Aufgabe haben würde, die auf mich wartet. Ungefähr zwei Wochen vor Abflug habe ich dann langsam begonnen zu realisieren, in was für eine „Welt“ ich mich da doch begeben werde – sie war bzw. ist eine ganz andere als die in Deutschland.
Keshar, der Betreuer des Projektes vor Ort, ist so nett gewesen und hat mich vom Flughafen in Kathmandu abgeholt. Auf dem Weg hin zum Haus konnte ich das erste Mal Begegnung mit dem regellosen Verkehr Kathmandus machen – allerdings war ich da noch zu aufgeregt, um zu realisieren was um mich herum alles geschieht.
Als wir am Haus ankamen war es bereits sehr dunkel, als das Außenlicht anging und ich mich auf Nepali vorstellte gab es erstmal ein lautes Kreischen in der Kindermeute, die mich vor der Tür erwartete (ich hoffe, das war vor Überraschung und nicht vor Erschrecken!).
Ich wurde direkt in mein Zimmer geführt, welches direkt an den Essbereich angrenzt und alle Kinder setzten sich zu meinen Fußen und guckten mich mit großen, erwartungsvollen Augen an. Meine Nepalikenntnisse waren bis dahin auch schon erschöpft und so mussten wir zum Englischen übergehen. Ich stellte mich ein wenig vor und die Kinder nannten mir ihre Namen – in dem Augenblick dachte ich, dass ich diese nie lernen würde. Ein paar Tage später war dies allerdings kein Problem mehr! Keshar hat mir an diesem Abend noch sehr viel über Nepal, politischen Hintergründe im Land und die Welt aus Sicht eines Nepali erzählt, leider konnte ich dem nicht mehr ganz so gut folgen, da die 12 Stunden Flug doch etwas anstrengend sind.
Der nächste Tag begann, wie eigentlich jeder Tag, früh am Morgen so gegen halb sieben. In Nepal ticken die Uhren ein wenig anders, als hier in Deutschland. Man lebt den Tag so zu sagen mit der Sonne. Für gewöhnlich gehen die Kinder spätestens um neun ins Bett (manchmal auch früher, wenn sich der Strom verabschiedet) und sind dann dementsprechend früh wieder auf den Beinen. Den Morgen beginnen sie dann nicht gerade ruhig und besinnlich. Einen Wecker habe ich eigentlich nie benötigt, da es doch Sitte im Haus ist etwas lauter miteinander zu sprechen und dies auch mal über drei Etagen! Anfangs war ich ziemlich irritiert, da ich dachte sie streiten und sind böse miteinander – auf meine Nachfrage gab es dann allerdings nur Gelächter und mir wurde erklärt, dass dies doch ganz normal sei. Ich konnte mich dann schnell dran gewöhnen, es war dann ziemlich witzig auch selbst ab und an etwas lauter zu reden, vor allem in Nepali-Wortfetzen.
Am meinem ersten Morgen wurde ich auch direkt wieder von Keshar in Empfang genommen, der zeigte mir die Gegend rund ums Projekthaus und den berühmten Pashupatinath Tempel. Unglaublich, wie praktizierend religiös die Menschen dort sind.
Die Kinder kamen am Nachmittag aus der Schule, somit konnte dem Kennenlernen nichts mehr im Wege stehen. Durch ein wenig Ballspielen ist uns das erste Antasten ziemlich leicht gefallen. Die Kleinsten waren dabei die aufgeschlossensten und gar nicht scheu. Ich denke, dass die Kinder mittlerweile auch schon an die wechselnden Gäste aus dem Ausland gewöhnt sind und diese als eine willkommene Abwechslung erleben.
Den Rest des Nachmittags verbrachten wir im „Lernzimmer“. Allerdings wurde nicht gelernt, sondern gespielt was das Zeug hält. Die Kinderspiele ähneln den deutschen, doch liegt ihnen meist eine andere inhaltliche Geschichte zu Grunde. Das gleiche gilt auch für Geschichten und Erzählungen in den Schulbüchern.
An meinem zweiten Abend bin ich dann schon mit einem sehr zufriedenen Gefühl ins Bett gegangen, irgendwie war ich angekommen und freute mich auf die kommende Zeit.
Die verbleibenden Schultage begleitete ich die Kinder zur Schule und versuchte ihnen beim Lernen zu helfen. Es war gar nicht so leicht, da die Kinder doch eine andere Art des Lernens gewohnt sind, als wir in Deutschland. Es schien, als würden sie einfach nur Texte auswendig lernen…jedenfalls hörte es sich so an. Alle Kinder saßen in einem Zimmer und jeder brabbelte seinen Text vor sich her. Alles in allem haben sie ihre Prüfung dann sehr gut gemacht, da jeder von ihnen das Examen geschafft hat. Am Freitag haben dann die Ferien begonnen. Zwei sehr bedeutende religiöse Feste standen bevor. Dashain und Tihar. Dies bedeutete gleichzeitig, dass viele der Kinder zu ihren Familienangehörigen in die Dörfer gefahren sind. Entweder wurden sie abgeholt oder mussten sich allein mit dem Bus ihren Weg bahnen. Somit waren wir zeitweise nur zu fünft im Haus, das war auch sehr nett, da ich somit die Gelegenheit hatte einige der Kinder doch sehr genau kennen zu lernen (zudem war es etwas ruhiger, sehr angenehm). Der Höhepunkt vom Dashain-Fest ist das Schlachten einer Ziege gewesen. In Nepal bedeutet das, dass an jeder Straßenecke, den ganzen Tag lang Ziegen geschlachtet werde. Es hat mich sehr beeindruckt, wie normal die Kinder dies empfunden haben und das sogar die beiden Kleinsten bei der Prozedur zugeschaut haben (danach sahen sie allerdings nicht mehr so euphorisch aus wie zuvor!) Ich denke, dass dieses Fest etwas ganz besonderes für die Kinder ist. Als Europäer wurde man es eher als unspektakulär und vielleicht auch eklig empfinden. In Nepal ist es hingegen eine willkommene Abwechslung zum doch eher eintönigen Alltag. Etwas auf das man sich lange Zeit gefreut hat. So wie Weihnachten in Deutschland. Ein weiteres wichtiges Ritual ist das bekommen von TIKA. Die Kinder, Bina, Kamal (das Ehepaar, das mit den Kindern im Haus lebt) und ich wurden hierzu in Keshars Haus eingeladen. Dort bekam dann einer nach dem anderen eine Segnung, ein wenig Geld und eine rote Paste auf die Stirn – ein sehr religiöses Ritual. Es war sehr aufregend für mich, dies mit zu erleben. Den Rest des Tages verbrachten die Kinder leider vor dem Fernseher – die Möglichkeit bekommen sie nämlich nur bei Keshar. Im Projekthaus selber gibt es zum Glück keinen Fernseher, auch wenn sie den gern hätten.
Das Tihar-Fest wurde dann ungefähr 10 Tage später gefeiert. Für mich persönlich und auch für viele der Kinder, war dies das schönere Fest von beiden. An Tihar glaubt man, dass eine Gottheit in das Haus Einzug hält. Dafür wird alles ganz sauber geputzt und festlich geschmückt. Vor dem Haus wird ein kleiner Weg hin zur Eingangstür gestreut, das Haus wird mit vielen bunten Lampen versehen und nachts werden ganz viele Kerzen angezündet. Wirklich schön. Am schönsten für mich war, dass alle Kinder wieder vereint waren und wir noch eine schöne Zeit zusammen haben konnten. Das Tihar kann man auch sehr gut als eine Mischung aus Weihnachten, Sylvester und dem Martinssingen beschreiben. Die Kinder ziehen nämlich an zwei Tagen von Haus zu Haus und singen. Die Mädchen hatten hierfür extra ein paar Tänze einstudiert. Sie können sich wirklich ganz wunderbar bewegen, nicht so steif, wie wir Deutschen und einige haben wirklich ausbaufähiges Talent! Auch die Jungs waren beim Tanzen gut dabei. Das war auch wieder so eine ganz besonderes Ereignis, etwas aufregendes Neues, eine willkommene Abwechslung im nepalesischen Alltag.
Dieses eindrucksvolle Wochenende war gleichzeitig auch mein letztes in Nepal. Am Sonntagnachmittag hieß es für mich Abschied nehmen. Das dies überhaupt nicht leicht werden würde ist mir schon in den vorangegangenen Tagen bewusst geworden. Allerding hätte ich nicht gedacht, dass es so schlimm sein würde. Als es hieß `Time to say Goodbye´ standen die Kinder wie im Spalier. Jeder legte mir ein Seidentuch um den Hals und überreichte mir eine kleine Blume. Ich konnte kaum etwas sagen.
Den größten Teil meines Aufenthalts haben die Kinder und ich einfach nur Zeit miteinander verbracht. Wir haben viel gespielt, gesungen und viel zusammen gelacht. Auch wenn die Verständigung nicht immer zu 100% geklappt hat, konnte man sich doch sehr gut auch ohne Worte verstehen. Neben gelegentlichen Ausflügen in die nähere Umgebung, zu Sehenswürdigkeiten oder in den Zoo haben wir sehr viel Zeit auf der wunderschönen Dachterrasse verbracht. Wir haben gebastelt und über die Gedanken, Wünsche und Vorstellungen der Kinder gesprochen. Natürlich war es nicht immer möglich, alles mit allen zu machen. Zum einen ist es ziemlich anstrengend die ganze Rasselbande auf einmal zu beschäftigen und zum anderen ist auch nicht immer jeder im Haus gewesen. In der Zeit im Projekt habe ich gelernt, wie viel Freude man Menschen bereiten kann auch ohne viele Mittel und wie dankbar Kinder für ein wenig Aufmerksamkeit und Zuwendung sein können. Die Kinder im Projekt sind wie eine große Familie. Sehr selbstständig was die häuslichen Pflichten angeht nur leider etwas verträumt, was ihr persönliche Zukunft anbelangt. Sie genießen es sehr jetzt noch in einer geschützten Umgebung aufzuwachsen, doch ist einigen von ihnen noch nicht wirklich bewusst, wie das Leben nach dem Projekt aussehen wird. Wenn man dies als Außenstehender beobachtet und um die nepalesischen Verhältnisse weis, ist es nicht so einfach sich ein klares Bild vom weiteren Werdegang zu machen. Ich hoffe für alle Kinder die ich kennen lernen durfte sehr, dass sie ihre Rolle im Leben finden und später die Familie haben können, die sie selbst in ihrer Kindheit nicht hatten.
Ich freue mich jetzt schon auf ein baldiges Wiedersehen mit allen!
Besuch 2009 / 1
Im Jahr 2009 besuchte der Hamburger Philipp Langhammer das Projekt in Nepal. Er stellte uns folgenden Reisebericht zu Verfügung:
Mein Name ist Philipp Langhammer, ich bin 26 Jahre alt und komme aus Hamburg. Im Mai diesen Jahres entschloss ich mich, spontan nach Nepal zu reisen. Als ich im Freundeskreis über meine Reisepläne berichtete, wurde ich auf das Projekt Stimme für notleidende Kinder e.V. aufmerksam gemacht und ermutigt, das Projekt doch ein paar Tage kennen zulernen. Somit habe ich noch kurz vor dem Abflug Kontakt mit Christine Klett-Esters, der Vorsitzenden des Projektes aufgenommen.
Zwei Tage später ging es dann los, mit dem Flugzeug von Hamburg über Dubai und Neu Dehli nach Kathmandu. Dort angekommen, wurde ich schon am Flughafen von dem Verantwortlichen und Ansprechpartner vor Ort, Keshar, erwartet und zum Projekt gebracht. In dem Projekt leben 18 Waisenkinder in einem schönen Haus mit eigenen Gemüsegarten, in dem Chilli, Tomaten, Bohnen und Kürbisse selber angebaut werden. Neben den Kindern lebt dort noch ein Ehepaar, das sich um die Betreuung der Kinder kümmert und mich auch sehr herzlich aufnahm. Neben der engen Betreuung im Haus erhalten die Kinder eine Schulausbildung an einer nahe liegenden Schule mit allem Nötigen, was in Nepal dazu gehört: Schulgebühren, Schuluniform, Schulsachen, einem Nachhilfelehrer und der medizinischen Betreuung.
Die Kinder selbst haben mich unglaublich lieb und freundlich mit „Namaste“, dem napalesischen „Hallo“ begrüsst und ich habe mich von Anfang an gleich wohl gefühlt. Am selben Abend gab es noch das leckere nepalesische Nationalgericht „Dhaal Bhaat“, ein Reisgericht mit Gemüsecurry und einer scharfen Linsensuppe, so dass mir fast die Tränen aus den Augen liefen. Die Kinder saßen allesamt auf dem Boden auf einem ausgerollten Teppich und aßen mit ihren Händen das Essen. Traditionell essen viele Nepalesen mit ihren Händen, ein Europäer wie ich staunt aber im ersten Moment sehr darüber.
Nach dem Essen hatte jedes Kind seine Aufgabe, manche fegten den Boden, andere halfen beim Abräumen und beim Abwaschen und wiederum andere machten die letzten Hausaufgaben. Dabei gab es keine Streitereien, für alle Kinder war es selbstverständlich mitzuhelfen.
Die Kinder sind zwischen 5 und ungefähr 16 Jahre alt und besonders mit den Älteren konnte ich mich sehr gut auf Englisch verständigen. Sie waren sehr interessiert an mir und haben neugierig mich über mein Leben in Deutschland gelöchert. Manche Fragen über unser Nationalgericht oder Nationaltier konnte ich zwar nicht beantworten, aber ich fand es toll, wie wissbegierig und überaus interessiert die Kinder waren. Mit der Zeit vergaßen auch die Jüngeren ihre Schüchternheit und kamen immer mehr auf mich zu und wollten mit mir Fußball spielen. Ich hatte den Kindern einen Ball mitgebracht.
Ich habe während meines dreiwöchigen Urlaubs insgesamt eine Woche in dem Projekt verbracht. Morgens habe ich mit den Kindern gefrühstückt und habe sie anschließend zur Schule begleitet. Nachmittags habe ich Mangos oder Bananen als Nachtisch mitgebracht. Nach dem Essen haben wir mit dem Fußball gespielt oder ich habe sie bei ihren Hausaufgaben unterstützt. Diese wurden übrigens jeden Tag fleißig gemacht, ohne Murren und Knurren! Der Samstag wurde traditionell als Waschtag genutzt. Dabei wusch jedes Kind die eigene Schuluniform. Dabei machten sie auf mich den Eindruck, dass sie sehr stolz waren, die Uniform tragen zu dürfen.
Leider habe ich auch andere Eindrücke in Nepal sammeln müssen. Während ich mir Kathmandu angeschaut habe, sah ich viele bettelnde und Klebstoff schnüffelnde Kinder auf den Straßen. Die Eltern waren entweder nicht bei den Kindern oder sie haben sogar dazu gebracht zu betteln. Die Anblicke haben mich tief erschüttert.
Umso schöner war es zu sehen, wie die Kinder in dem Projekt trotz ihrer Schicksale glücklich und wohlbehütet aufwachsen. Trotz ihrer furchtbaren und sicherlich traumatischen Vergangenheit machten die Kinder einen sehr glücklichen und dankbaren Eindruck. Wir lachten viel, spielten zusammen unzählige Spiele und unterhielten uns über die Unterschiede unserer Länder. Der Besuch in dem Projekt hat mich tief beeindruckt. Es ist ein tolles Gefühl, diese Kinder so glücklich und behütet zu sehen. Auf mich wirkte das Projekt wie eine große Familie, in der die Großen auf die Kleinen aufpassen, alle zusammen spielen und jedes Kind integriert ist.
Besuche 2008 / 2009
Besuch 2007
Besuch 2006
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