Initiative zur Erhaltung der Soziologie in Schleswig-Holstein

 

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26. April 2000:
Gespräch mit Prof. Dr. Ruprecht Haensel, Rektor der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Prof. Dr. Haensel legte zu Beginn des Gespräches mit der Initiative zur Erhaltung der Soziologie in Schleswig Holstein die momentane Finanzsituation der Universität Kiel dar. Die vom Rektorat geplanten Sparmaßnahmen wurden von Prof. Dr. Haensel ausdrücklich als Diskussionsgrundlage bezeichnet, die keineswegs mit einem bereits getroffenen Beschluß gleichzusetzen sei.
Im Anschluß an diese Ausführungen von Prof. Dr. Haensel wies die Initiative darauf hin, daß die Schließung von Instituten am Sinn und Zweck notwendiger Reformvorhaben vorbeiläuft. Prof. Dr. Haensel stimmte dem prinzipiell zu, wies aber erneut auf den Sparzwang der Universität hin. In diesem Zusammenhang erläuterte er die Kriterien, nach denen die Liste mit den zu schließenden Instituten erstellt wurde. Diese, so Prof. Dr. Haensel, sollten nicht nur auf der Wiederbesetzungssperre nach einer erfolgten Emeritierung beruhen, sondern auch auf Kriterien wie beispielsweise der Entwicklung der Studierendenzahlen und eine generelle Einschätzung bezüglich der Chance, mit denen die Institute die Qualität in Forschung und Lehre unter den Bedingungen der knappen Mittel sicherstellen können. Zudem wies Prof. Dr. Haensel nachdrücklich darauf hin, daß das Rektorat die fachlichen Leistungen der einzelnen Institute nicht beurteilen könne und dieses Kriterium somit keine Rolle gespielt hätte.
In diesem Zusammenhang mußte die Initiative für den Fachbereich Soziologie jedoch darauf hinweisen, dass das vom Rektorat in Auftrag gegebenen “Pappi-Gutachten” sehr wohl eine fachliche Beurteilung gewesen ist.
Im weiteren Verlauf des Gesprächs machte die Initiative Prof. Dr. Haensel darauf aufmerksam, daß die Schließung des Instituts für Soziologie und der Katastrophenforschungsstelle national wie international auf großes Unverständnis stoßen und den Ruf der gesamten Universität Kiel deutlich schädigen würde. Eine Degradierung zu einem Sozialwissenschaftlichen Institut für Nebenfächler sei dabei eine Schließung auf Raten. Könne doch irgenwann, so räumte auch Prof. Dr. Haensel ein, dieser Teil der Lehre dann von einem anderen Lehrstuhl aus bedient werden.
Auch wurde deutlich, welche bedeutende Rolle die Soziologie im Rahmen interdisziplinärer Forschungsprojekte spielen kann. Daraufhin ließ Prof. Dr. Haensel erkennen, daß auch er eine Schließung eigentlich nach Möglichkeit vermeiden würde, jedoch der Druck der finanziell angespannten Situation keine Freiräume zuließe. Zusammen mit den Teilnehmern der Initiative war auch er der Meinung, daß das Institut für Soziologie eher ausgebaut als geschlossen werden müßte. Zudem wäre es, so Prof. Dr. Haensel, von großem Interesse zu ermitteln, welche Kapazitäten ein Institut für Soziologie und eine Katastrophenforschungsstelle haben müßten, um den für die Universität größten Nutzen erzielen und die Ansiedlung außeruniversitärer Forschungseinrichtungen (z.B. Max-Planck-Institut) erreichen zu können.

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